Global Warming Ready?
Der Ölpreis steigt und die betroffene Industrie stellt sich darauf ein. Aber nicht das jetzt PKWs und technische Geräte mit geringem Energieverbrauch entwickelt werden. Nein, das Umdenken scheint nicht in den Entwicklungsabteilungen anzukommen, sondern im Marketing. Tankgutscheine werden versprochen, um das neue Auto mit alter Technologie auch betreiben zu können. Doch so sehr wir von Mobilität und Elektrizität abhängig sind, so sehr gilt auch für Öl ein einfaches Prinzip aus der Volkswirtschaft: knappes Gut - hoher Preis. Wir sollten nicht versuchen unsere bisherigen Technologien unhinterfragt bezubehalten und das mit Zuschüssen (egal ob von der Wirtschaft oder vom Staat) zu finanzieren. Die Folgen von Energie-Subventionierung bringt Hans Joachim Schellnhuber (Potsdam-Institut für Klimaforschung) im ARD-Magazin MONITOR auf den Punkt:
“Jetzt künstlich möglicherweise sogar zu subventionieren, Steuern zu streichen und dergleichen würde dazu führen, zu dem sehr perversen Effekt, dass das knappe Gut noch schneller verbraucht wird und noch schneller knapp wird.”
Worauf Umweltverbände schon immer hinwiesen, wofür die Politik nie den Mut hatte, die Wirtschaft sich nie in der Verantwortung sah und was der Mehrheit der Bügerinnen und Bürger weitesgehend egal war - dazu zwingt uns jetzt die Preisentwicklung des Öls: die radikale Veränderung unseres Lebensstils.
Wir werden uns zukünftig fragen müssen, welches elektrische Gerät wirklich Sinn macht und welcher gefahrende Kilometer wirklich notwendig ist. Wir werden unser globales Transportsystem überdenken müssen und die damit verbundenen Industiestandorte. Die Größe “Transport” muss bei der Kalkulation zukünftig stärker ins Gewicht fallen. Auch sollten sich Firmen überlegen wieviel Kilometer Arbeitsweg sie ihren Angestellten zumuten können, um gegebenenfalls ihre Standorte, trotz höherer Mieten, von der grünen Wiese zurück in die Ballungszentren zu holen.
Was aber noch viel entscheidender ist: bei der Entwicklung neuer Technologien muss die Energieeffizenz endlich als Muss-Kriterium angesehen werden. Eine Balance zwischen benötigter Leistung und aufgebrachter Energie muss geschaffen werden. Denn egal welches Verfahren der Energiegewinnung man als persönlichen Liebling favorisiert, um das Energiesparen kommt wohl niemand herum. Und genau da liegt eine Chance! Energie einsparen nicht als Rückschritt anzusehen, sondern durchdachte Technologien neu zu entwickeln und bewusst einzusetzen. Wird also die Vernunft am Ende siegen? In der aktuellen Debatte in den Medien bekommt man diesen Eindruck nicht. Das Rohstoffe verbraucht werden mag noch niemand sehen, stattdessen möchte jeder Haushalt und Industiezweig seine ganz private Subvention bekommen und danach so weitermachen wie bisher. Und wenn diese Diskussion dann durch Werbung unterbrochen wird stellt man schnell fest, dass noch immer Leistung ohne Rücksicht auf den Energieverbrauch das Hauptverkaufsargument zu sein scheint. Da wird dann lieber etwas zur Finanzierung der benötigten Energie dazugegeben. Der Ölpreis ist wohl noch nicht hoch genug - gut, dass da Besserung in Aussicht ist.